Weiter durch den Nordosten
In unserem gestrigen Guesthouse «Grásteinn» in der Nähe von Þórshöfn fernab jeder Zivilisation hatten wir dermassen schlechtes Internet, dass ich mit dem heutigen Bericht gleich zwei Tage zusammenfasse. Hat es das Erlebnis im Guesthouse geschmälert? Natürlich nicht, es gibt ja kein Gesetz, welches eine tägliche Reportage vorgibt. Es ist wohl eher die Gewohnheit des Verfassers, tagtäglich die Erlebnisse durchgehen zu wollen und Nachforschungen anzustellen. Ausserdem hatten wir noch nie ein dermassen privates Guesthouse besucht. Der Gastgeber war sehr zuvorkommend, gesprächig und hatte am Morgen sogar frisches Brot für das Frühstück gebacken.
Aber schön der Reihe nach.
Nördlich vom Dettifoss Wasserfall wollten wir erneut das Gebiet «Hljóðaklettar» besuchen, in welchem wir bereits 2015 eine Mitternachtswanderung gemacht hatten. Damals kaum erschlossen, konnten wir dieses Mal über eine neu angelegte Strasse bis zu einem grosszügig dimensionierten Parkplatz fahren. Hljóðaklettar zeigt Island in einer besonders archaischen Art und Weise. Seht nur:






Das ganze Gebiet rund um den Dettifoss und Myvatn wird auch als Diamantenkreis Islands bezeichnet. Dazu gehört ganz im Nordosten auch Ásbyrgi, auch grüne Schlucht genannt. Auf dem Satellitenbild sieht Ásbyrgi wie ein gestanztes Hufeisen aus, die Fahrt in diesen Canyon war gerade in diesen Herbstfarben spektakulär:



Die nordöstlichste Gegend Islands ist äusserst abgeschieden, nicht mehr als 2 Fischerdörfer befinden sich an der Route 870. Touristisch ist sie überhaupt nicht erschlossen und genau diese Ureigenschaft Islands wollten wir uns ansehen.


In Raufarhöfn, dem zweiten Fischerdorf, hatte ein mittlerweile verstorbener Visionär den Arctic Henge konzipiert, der aus zahlreichen Steinbögen und Statuen besteht, die als Denkmal für den nordischen Heidentum angeordnet sind. Neben der Landschaft das wirklich einzige touristische Highlight in dieser Gegend…

Nach einem kalten und windigen Tag genossen wir den Aufenthalt im Anfangs erwähnten Guesthouse um so mehr. Der nächste Morgen hielt zwar weiterhin starken Wind für und bereit, diesmal aber mit blauem Himmel. Bereits die Wegfahrt vom Guesthouse kann als gelungen notiert werden. Rund 10 Schafe wollten den Weg passieren. Dazu muss das Auto stillstehen, ansonsten bewegen sie sich nicht. So ähnlich werden Kids in der Schweiz an die Fussgängerregel herangeführt ☺️.

Das besondere Highlight heute auf der Strecke Richtung Egilsstaðir im Osten von Island war die Nebenstrasse 917. Diese führte an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei:





Besonders spannend zu fahren war die über Serpentinen führende Passstrasse «Hellisheiði Eystri». Mit stellenweise 15% Anstieg ist sie eine der steilsten Strecken, die wir überhaupt auf Schotter gefahren sind. Landschaftlich und farblich äusserst schön anzusehen:




Nach einer langen Fahrt auf Schotter zurück in die Zivilisation, setzten wir uns das letzte Etappenziel des Tages, die Basaltsäulenschlucht von Stuðlagil in der Nähe von der Ringstrasse zu besuchen. 2015 hatten wir diesen eindrücklichen Ort nicht gesehen. Weshalb war mir allerdings nicht mehr ganz geläufig. Nachdem wir aber auf der Strasse abseits der Ringstrasse waren, kam es mir wieder in den Sinn: Nicht befahrbar mit dem Motorhome damals. Heute wäre das anders aussehen. Obschon noch nicht alles fertiggestellt wurde, wird die nächste Touristenattraktion nun auch komplett erschlossen. Es ist definitiv sehenswert und trotzdem war die Rückkehr aus der Abgeschiedenheit in die Touristenmassen für uns gewöhnungsbedürftig.


Und für alle, die sich nicht an die Regel, der Fauna wegen auf den Fusswegen zu bleiben, gehalten haben, werden aktuell ordentlich Zäune gebaut. Schade, aber es geht halt offenbar nicht anders…


Und zu guter Letzt noch eine Rückmeldung von der Haute Couture in Island: Man trägt wieder Mèches (oder besser Määähhsch) 😎

