2026 Island

Weiter durch den Nordosten

In unserem gestrigen Guesthouse «Grásteinn» in der Nähe von Þórshöfn fernab jeder Zivilisation hatten wir dermassen schlechtes Internet, dass ich mit dem heutigen Bericht gleich zwei Tage zusammenfasse. Hat es das Erlebnis im Guesthouse geschmälert? Natürlich nicht, es gibt ja kein Gesetz, welches eine tägliche Reportage vorgibt. Es ist wohl eher die Gewohnheit des Verfassers, tagtäglich die Erlebnisse durchgehen zu wollen und Nachforschungen anzustellen. Ausserdem hatten wir noch nie ein dermassen privates Guesthouse besucht. Der Gastgeber war sehr zuvorkommend, gesprächig und hatte am Morgen sogar frisches Brot für das Frühstück gebacken.

Aber schön der Reihe nach.

Nördlich vom Dettifoss Wasserfall wollten wir erneut das Gebiet «Hljóðaklettar» besuchen, in welchem wir bereits 2015 eine Mitternachtswanderung gemacht hatten. Damals kaum erschlossen, konnten wir dieses Mal über eine neu angelegte Strasse bis zu einem grosszügig dimensionierten Parkplatz fahren. Hljóðaklettar zeigt Island in einer besonders archaischen Art und Weise. Seht nur:

Lavahöhle «Lava church»
Horizontal ausgeformte Basaltsäulen
dito.
Sieht fast wie ein menschlicher Kopf aus

Das ganze Gebiet rund um den Dettifoss und Myvatn wird auch als Diamantenkreis Islands bezeichnet. Dazu gehört ganz im Nordosten auch Ásbyrgi, auch grüne Schlucht genannt. Auf dem Satellitenbild sieht Ásbyrgi wie ein gestanztes Hufeisen aus, die Fahrt in diesen Canyon war gerade in diesen Herbstfarben spektakulär:

Route 861 in das Innere von Ásbyrgi
Botnstjörn See ganz hinten im Canyon
120 Meter hoch sind die Felswände hier

Die nordöstlichste Gegend Islands ist äusserst abgeschieden, nicht mehr als 2 Fischerdörfer befinden sich an der Route 870. Touristisch ist sie überhaupt nicht erschlossen und genau diese Ureigenschaft Islands wollten wir uns ansehen.

In Raufarhöfn, dem zweiten Fischerdorf, hatte ein mittlerweile verstorbener Visionär den Arctic Henge konzipiert, der aus zahlreichen Steinbögen und Statuen besteht, die als Denkmal für den nordischen Heidentum angeordnet sind. Neben der Landschaft das wirklich einzige touristische Highlight in dieser Gegend…

Artic Henge – nachempfunden von Stonehenge in England

Nach einem kalten und windigen Tag genossen wir den Aufenthalt im Anfangs erwähnten Guesthouse um so mehr. Der nächste Morgen hielt zwar weiterhin starken Wind für und bereit, diesmal aber mit blauem Himmel. Bereits die Wegfahrt vom Guesthouse kann als gelungen notiert werden. Rund 10 Schafe wollten den Weg passieren. Dazu muss das Auto stillstehen, ansonsten bewegen sie sich nicht. So ähnlich werden Kids in der Schweiz an die Fussgängerregel herangeführt ☺️.

Auf dem Weg vom Guesthouse Richtung Þórshöfn

Das besondere Highlight heute auf der Strecke Richtung Egilsstaðir im Osten von Island war die Nebenstrasse 917. Diese führte an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei:

Elephant rock
Gljúfursárfoss

Besonders spannend zu fahren war die über Serpentinen führende Passstrasse «Hellisheiði Eystri». Mit stellenweise 15% Anstieg ist sie eine der steilsten Strecken, die wir überhaupt auf Schotter gefahren sind. Landschaftlich und farblich äusserst schön anzusehen:

Startpunkt des Aufstiegs
Kann man die Neigung erahnen?
Oben angekommen
Nach dem Pass hat man eine schöne Aussicht auf den riesigen Strand «Heradhssandur»

Nach einer langen Fahrt auf Schotter zurück in die Zivilisation, setzten wir uns das letzte Etappenziel des Tages, die Basaltsäulenschlucht von Stuðlagil in der Nähe von der Ringstrasse zu besuchen. 2015 hatten wir diesen eindrücklichen Ort nicht gesehen. Weshalb war mir allerdings nicht mehr ganz geläufig. Nachdem wir aber auf der Strasse abseits der Ringstrasse waren, kam es mir wieder in den Sinn: Nicht befahrbar mit dem Motorhome damals. Heute wäre das anders aussehen. Obschon noch nicht alles fertiggestellt wurde, wird die nächste Touristenattraktion nun auch komplett erschlossen. Es ist definitiv sehenswert und trotzdem war die Rückkehr aus der Abgeschiedenheit in die Touristenmassen für uns gewöhnungsbedürftig.

Die höchsten Basaltsäulen sind um die 10 Meter

Und für alle, die sich nicht an die Regel, der Fauna wegen auf den Fusswegen zu bleiben, gehalten haben, werden aktuell ordentlich Zäune gebaut. Schade, aber es geht halt offenbar nicht anders…

Insta-Käfig in Vorbereitung
Stuðlafoss

Und zu guter Letzt noch eine Rückmeldung von der Haute Couture in Island: Man trägt wieder Mèches (oder besser Määähhsch) 😎

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