Südwärts Richtung Kittilä, Finnland
Weiter nordwärts nach dem Nordkapp ging es für den Moment nicht mehr. Von daher war klar, dass wir uns neu nach Süden orientieren müssen.
Lakselv als Übernachtungsort entpuppte sich als Glücksgriff. „Laks“ im Ortsnamen kommt nicht von ungefähr, hier befindet sich eine Oase für Fischer… Für läppische 280 NOK (= 22.23 CHF) hatten wir Strom, Dusche, Waschen, Tumbler und sogar einen Gemeinschaftsraum inkl. Küche zur Verfügung. Neben uns ein Hamburger, also ein Deutscher aus Hamburg 😉, St. Pauli Fan, alleine auf Achse in einem ausgedienten Schweizer Armee Funker-Puch und von Süden nach Norden unterwegs. Im Gegensatz zu uns. Zahlreiche Gesprächsthemen waren somit auf Anhieb vorhanden.
Ansonsten war da noch ein spezieller norwegischer Kauz mit Baujahr 1966, der erzählte, dass er am Nordkapp geboren wurde. Bildlich hatte ich mir schon vorgestellt, wie er neben dem bekannten Nordkapp-Globus zur Welt gebracht wurde 😂.
Auf Nachfrage, wo genau am Nordkapp, relativierte er seine Aussage. Genauer in Honningsvåg, da wo wir am Vortag genüsslich dinierten 🤭.
Interessant war aber viel mehr, dass er erzählte, er sei ein passionierter Gamer 😂. Weiter erzählte er, dass er bereits früh begann, Raubkopien von Games zu machen. Selbst vor Nintendo Games der ersten Stunde machte er nicht halt. War definitiv ein spannendes Gespräch mit einem Nerd der ersten Stunde 😎.

Die Prognosen für Nordlichter am frühen Abend waren nicht berauschend. Am Himmel hatte es viele Wolken, die Temperaturen waren über dem Nullpunkt und auch die Sonnenaktivität liess zu wünschen übrig. Die von uns verwendete App errechnete eine Wahrscheinlichkeit von bloss 17%.
Erfahrungsberichten zufolge sollte man den Himmel zwischen 22 Uhr und Mitternacht auf verdächtige Wolkenschwaden inspizieren. Davon war bei uns bis nach 0:30 Uhr nichts zu sehen. Daher entschlossen wir uns, ins Bett zu gehen und setzten eine letzte Hoffnung darauf, diese bei geöffneter Fensterverdunkelung doch noch zu sehen. Um 1 Uhr wurde ich aus dem Halbschlaf gerissen von einer „wild“ gewordenen Tane, die schrie: „Sie kommt, sie kommt!“
Und sie sie kam, diese Aurora Borelias. Wunderschön entstanden aus dem Westen erste grüne Schwaden, die sich Richtung Osten bewegten und sich sogar verdrehten. Es gelang uns, trotz schneller Bewegung ein paar eindrückliche Fotos festzuhalten.
Genau in dieser spektakulären Phase war da noch ein Mitarbeiter mit seinem Schneeräumfahrzeug, der sämtliche Warnlichter aufleuchten liess, nachdem er sich bis morgens um 1 Uhr im Campingbistro paar Getränke gönnte. Dadurch wurde der Wald mit Langzeitbelichtung rot eingefärbt 🫣…




Nach der aufregenden Nachtschicht mühten wir uns am nächste Morgen erst um 10 Uhr aus dem Büssli. Wir hatten uns den Norden oberhalb des Polarkreises immer stockfinster vorgestellt. Das Foto zeigt, dass dies bei schönem Wetter überhaupt nicht stimmt. Es gibt keinen Sonnenaufgang in dieser Zeit, aber hell kann es eben trotzdem werden. Nicht so lange, aber immerhin 🤩.

Nach einer herzlichen Verabschiedung auf dem Camping fuhren wir etwas mehr als 100 km südöstlich und passierten hier die Grenze zu Finnland, wobei keine Grenzkontrolle weit und breit zu sehen war. Interessantes Detail, nachdem sich unsere Handys mit dem finnischen Netz verbanden: plötzlich was es 1 Stunde später. Ach ja, da war doch noch was, ganz Finnland ist 1 Stunde später als das restliche Skandinavien 🕚.

Es dauerte keine halbe Stunde auf finnischen Boden, als wir dem ersten Rentier begegneten. Genau so herzig wie es neben uns am Traben war, ist es unberechenbar für die Autofahrer. Man weiss nie, was sie als Nächstes im Köcher haben. Daher passierten wir es äussert vorsichtig…

Finnland bietet hinsichtlich der geringen Bevölkerungsdichte noch eine ganz andere Dimension. Mehrere Stunden waren wir alleine unterwegs und kreuzten nur wenige entgegenkommende Fahrzeuge. Kann man so ausführlich beschreiben, wie man will. Am Ende muss man es einfach erlebt haben…

Damit wir unsere Standheizung im Bulli verwenden können, darf der Tank nicht allzu leer sein, obschon der Verbrauch nicht mehr als einen halben Liter pro Stunde beträgt. Laut Anleitung muss mehr als die Reserve vorhanden sein. In der hiesigen Abgeschiedenheit lebt man aber sorgenfreier mit mehr Tankinhalt. Auf 200 km Distanz haben wir bloss 3 Tankstellen gesehen, weshalb wir in Pokka, einem Nest im Taiga-Nirgendwo, etwas Diesel nachfüllten.
Die Tankstelle und deren Betreiber entpuppten sich als Original sondergleichen.

Analoge Anzeige, mechanische Aktivierung der Pumpe. Alles andere funktionierte hier nicht, meinte er lachend 😆.

Zahlreiche Stellplätze nordöstlich von Kittilä, die im Sommer zugänglich sind, waren verschneit und nicht geräumt. Zuviel Schnee für unser Büssli. So machten wir uns weiter auf den Weg, einen Stellplatz ohne die Unterstützung unserer App zu finden.
Hinter einer grossen Holzbeige erspähten wir einen grossen, geräumten Platz und machten es uns hier bequem.


Das Stativ ist schon vorbereitet, in der Hoffnung, weitere Auroras einzufangen.

Im Norden von Kittilä befindet sich das aus dem Ski-Weltcup bekannte Levi. Je nach Witterung werden wir morgen einen Skitag in Erwägung ziehen.

