Westfjorde Teil 2: Regenbogen, Robben und Heidelbeeren
Nach einer tiefenentspannten Nacht und einem guten Zmorge traten wir die Rückreise über die holprige 643 in Richtung Zivilisation an. Aber was heisst Zivilisation? Das wären nach diesem Trip einfach alle grösseren Menschenansammlungen mit mehr als 50 Personen 😄. Ein letzter Blick auf das Wrack vor der stillgelegten Heringfabrik und los ging es auf Schotter und bestem Wetter.


Wir kehrten wieder auf die Strasse Nr. 61 zurück und folgten dieser an den «fjordreichsten» Streckenabschnitt der Westfjorde in der Region «Súðavíkurhreppur». Auf der Kartenansicht ist gut zu sehen, dass ein einziger Fjord mit einer Brücke abgekürzt werden kann und alle anderen schön umrundet werden. Dabei resultiert auf der Luftlinie ein Schneckentempo, aber genau darum geht es hier. Szenerie statt Tunnels, Cruisen statt Hasten. .

Mit dem Versuch, die Schlaglöcher elegant zu umfahren, geben sich scheinbar nur die Touristen (und meine Wenigkeit) ab. Die Isländer sind da bedeutend einfacher gestrickt. Die fahren mit ihren Geländewagen und Maximalgeschwindigkeit einfach gerade aus. Selbstverständlich dürften sie sich auch an den Kopf fassen, weshalb ein Tourist mit einem Tesla in die Pampas rausfährt. Dank Allrad hatten wir auch nirgends eine Stelle zu befürchten, die wir nicht hätten bewältigen können. Im tiefen Winter wäre natürlich alles anders… Hat jedenfalls vorzüglich geklappt und vor unserem Hotel hatte es eine vereinsamte Ladestation, die wir anzapfen konnten.
Apropos Tesla. Der hat ja einen «Frunk», kennst du das? Das ist ein Wortspiel aus «Front» und «Trunk» und ergibt eben «Frunk». Oder eben ein kleiner Kofferraum unter der Vorderhaube. Wir hatten die glorreiche Idee, paar Lebensmittel in erwähnten Frunk aufzubewahren, denn da ist es kühler als im Wagen drin. Also haben wir das in einer Papiertüte verstaut und im Frunk eingelagert. An alle, die das kopieren möchten: Bitte nicht, eine Maus oder ähnlich hat den Braten sprichwörtlich geschmeckt und hat uns Knäckebrot und Toastbrot angeknabbert 😆🫣.



Auch auf der heutigen Strecke wurden wir immer wieder von Regenbögen begleitet. Gefallen uns auch wirklich besser als Viecher im «Frunk» 😆. So, damit ist das Thema erledigt ☺️.



Etwa in der Hälfte der Strecke fuhren wir zu einem «Seal Lookout», an dem Dutzende Robben aus geringer Distanz beobachtet werden können. Durch das Fernglas ein lustiges Schauspiel. Da hatte es zum Beispiel eine Robbe ganz rechts in der Foto, die ihren Schwerpunkt noch nicht optimal auf den darunter liegenden Felsen ausgerichtet hatte und mit ruckartigen Bewegungen versuchte, sich neu zu zentrieren. Aktiv, also schwimmend, konnten wir nur eine einzige Robbe ausfindig machen, die andere «plegerten» vor sich hin.

Ein nächstes Highlight war ein Aussichtspunkt namens «Tröð» oberhalb einer Haarnadelkurve auf der Kambsnes Halbinsel. In alle Richtungen atemberaubend (aufgenommen mit der Drohne):


Als heutige Wanderung hatten wir den Wasserfall «Valagil» gleich an der Mündung des Álftafjörður auserkoren und wurden nicht enttäuscht. Der recht anspruchsvolle Anstieg wurde uns von Heidelbeeren à discretion versüsst. Oben angekommen und blickend auf 2 parallel verlaufende Wasserfälle ging mir die Frage durch den Kopf, wie es wohl ums Gemüt eines Regentropfs stehen würde, wenn dieser nicht über den Hauptwasserfall, sondern über den kleineren Nebenwasserfall runterfliessen muss… Spannende Frage eigentlich, aber wie komme ich überhaupt darauf? War da etwa eine Substanz in den «Heubeeri» drin, die den Geist aufblühen liess? 😂




Zum Abschluss eines gelungenen Tages genehmigten wir uns eine typische Fischermahlzeit namens «Plokkfiskur», vergleichbar mit einem cremigen Kartoffelstock, der mit Kabeljau angereichert wurde. Früher wurden die Fischreste so verarbeitet, heute kommen zum Glück Filetstücke rein. War super lecker und hat gut gesättigt.



